Plattenlabels sind Unternehmen, die unter einem bestimmten Namen die Musik von Solokünstlern und Bands vermarkten. Die Bezeichnung Label wird aber unterschiedlich verwandt. Im engen Sinne ist damit nur ein Unternehmen beziehungsweise ein Konzernbereich gemeint, der unter einem Markenlogo, also Label, Musik vertreibt. Bei den Marktführern der Branche, EMI, Sony Music, Warner und Universal ist mit dem Begriff Major-Label allerdings der gesamte Konzern gemeint, auch wenn er mehrere verschiedene Labels sein eigen nennt. Auch die Produktion der Tonträger ist in diesem Fall miteinbezogen, obwohl es nicht die Aufgabe eines Labels ist. Das Gegenteil von Major-Labels sind sogenannte Independent-Labels (Indie-Labels). Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass ein Independent-Label wesentlich kleiner als ein Major-Label ist. Sie sind unabhängig, da sie keine Tochterunternehmen der Großkonzerne sind. Die Unabhängigkeit hat aber in der Praxis Grenzen, da einige Independent-Labels auf die Vertriebswege der Großkonzerne angewiesen sind.
Es gibt verschiedene Motive, ein Independent-Label zu betreiben. Oftmals ist Kritik an der Geschäftspolitik der Major-Labels ein Beweggrund. Indie-Labels werfen den Großkonzernen vor, nur auf den kurzfristigen Erfolg zu achten. Sie versuchen stattdessen meist, Künstler überhaupt erst bekannt zu machen und langfristig aufzubauen. Eine Menge Enthusiasmus und Liebe zur Musik ist dafür Voraussetzung. Durch diese Auswahl an Künstlern machen Indie-Labels in der Regel nämlich deutlich weniger Gewinne als die Major-Labels, da erstens viele Investitionen zu tätigen sind und das zweitens bei einem häufig noch nicht vorhandenen kommerziellen Erfolg. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Marktmacht der vier großen Plattenfirmen: Jedes Independent-Label will durch seine Existenz ein bisschen mehr Vielfalt auf der Angebotsseite schaffen. Indie-Labels zeichnen sich im Gegensatz zu der milliardenschweren Konkurrenz dadurch aus, dass sie sich in fast allen Fällen auf jeweils ein Genre konzentrieren.
Vor allem in Subkulturen sind Indie-Labels weit verbreitet. Gerade bei denen, die sich politisch links verorten wie zum Beispiel Punkrock, ist es ein bewusst kapitalismuskritisches Zeichen, sich Major-Labels zu verweigern. Wechseln Bands aus solchen Subkulturen bei kommerziellem Erfolg zu einem der vier Großkonzerne, sind leidenschaftlich geführte Diskussionen die Folge. Nicht selten werden diese Künstler dann von jenen, die sich als Avantgarde im jeweiligen Bereich sehen, unter dem Vorwurf des Verrates geächtet.
Indie-Labels gibt es schon seit mehreren Jahrzehnten. Eine große Welle an Gründungen gab es aber erst in den 1970ern und 1980ern. Die eben erwähnte Punkszene kann hier als Vorreiter genannt werden. Unter dem bis heute dort gültigen Schlagwort „Do it yourself“ wurde der Vertrieb in die eigenen Hände genommen.
