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Indie - die Alternative

Welche Musik man als Indie Musik bezeichnet, hängt stark vom zeitlichen und sozialen Kontext ab. Das Wort Indie ist nichts weiter als eine Abkürzung von Independent, unabhängig.

Unabhängig - wovon eigentlich?

Indie definiert sich also nicht in erster Linie durch etwas, sondern in Abgrenzung zu etwas anderem. Indie Musik gibt es dementsprechend schon lange. Eigentlich immer, wenn neue Musikrichtungen die Bühne der Geschichte betreten, nehmen sie einen mehr oder weniger langen Weg durch die Independent Szene, bevor sie im Mainstream aufgehen. Der Mainstream ist dann auch genau das, wovon sich Indie unabhängig zu machen versucht. Die großen Plattenfirmen sind in Struktur und Aufbau anderen großen Unternehmen oder Verwaltungsagenturen ähnlich. In der Musik kann dies schädlich sein fürs Geschäft, da sich Kunstrichtungen häufig erneuern. Neue Trends werden daher eher von kleinen Produzenten entdeckt und gefördert, da in ihnen der Gefühl für den Zeitgeist berücksichtigt wird statt lediglich auf die Sicherheit zu setzen, bereits erfolgreiches neu aufzusetzen.

Eine kurze Geschichte der Alternativen

Schon in den 50er Jahren wurden die kleinen Labels bekannt. Mit dem Aufkommen des Rock'n Roll wollten die großen Plattenfirmen nichts zu tun haben. So entstand eine Vielzahl kleiner Anbieter, die Songs produzierten und selbst daran profitieren konnten. Immer größer wurde der Rock'n Roll und damit die Indie Szene. Als die neue Musik ein sicheres Geschäft wurde, übernahmen die großen Labels wieder den Markt und die kleinen suchten nach neuen authentischen Alternativen zum musikalischen Mainstream. Sie fanden den Punk in den 70er Jahren und eine Vielzahl neuer Richtungen in den 80ern. Heavy Metal, New Wave, Hip Hop, Techno - so unterschiedlich sie alle voneinander sind, sie alle haben eines gemeinsam. Es ging durch den Indie in Clubs, auf Konzerte oder Festivals, bekannt wurden sie erst später. Gerade beim Punk wird deutlich, wie sehr Indie sich nach dem Zeitgeist richtet und diesen reflektiert und verstärkt. Die Zeit nach Jahrzehnten des Wachstums und zunehmender kultureller Langeweile und Kommerzialisierung schrie geradezu nach Musikern, die sich all diesem entzogen und gegen jede Ordnung rebellierten.

Indie heute

Die Kommerzialisierung des Musiksektors hat dazu geführt, dass es unter auch nur halbwegs bekannten Bands kaum unabhängig produzierte gibt. Immerhin sprechen sich einige der Plattenfirmen für Qualität und gegen Masse aus, der weitreichende Mut der 80er Jahre ist vorerst allerdings erstickt. Aber Indie war schon immer ein Vehikel der Entwicklung, musikalischen Reproduktion und Erneuerung - und damit der Überraschungen. Man kann sich also auf die neuen Entwicklungen freuen, statt der alten nachzutrauern. Denn die sind heute nicht mehr Indie.